Ein Gedanke vom Fachtag Seelische Gesundheit

Fachtag

Bei uns in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf hat am 01.07.2026 der interne Fachtag zum Thema Seelische Gesundheit stattgefunden.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wir herausforderndes Verhalten besser verstehen, mehr Sicherheit im Umgang gewinnen und gemeinsam handlungsfähig bleiben können.

Es gab viele verschiedene Workshops. Einer ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

In dem Workshop haben ein Genesungsbegleiter und eine Genesungsbegleiterin von ihrer Arbeit erzählt. Beide haben selbst Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen gemacht, eine Qualifizierung absolviert und begleiten heute andere Menschen.

Ich fand das sehr beeindruckend.

Weil dort nicht nur über psychische Erkrankungen gesprochen wurde, sondern aus einer Perspektive heraus, die man sonst nicht so oft hört. Aus der eigenen Erfahrung. Aus dem eigenen Erleben. Und gleichzeitig mit einem professionellen Blick darauf, was Menschen in Krisen brauchen.

Für mich wurde dabei noch einmal deutlich, wie wertvoll Erfahrungswissen sein kann. Gerade in der Arbeit mit Menschen mit herausforderndem Verhalten, also auch mit fremd- oder eigenverletzendem Verhalten, geht es nicht nur um Methoden, Konzepte oder Abläufe. Es geht auch darum, besser zu verstehen, was hinter einem Verhalten stehen kann.

Und gleichzeitig ist diese Arbeit für Mitarbeitende enorm anspruchsvoll.

In den Gesprächen wurde deutlich, in welchen Spannungsfeldern sich Kolleg*innen in der Praxis bewegen: Teilhabe ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit schaffen. Personenzentriert arbeiten und trotzdem organisatorische Rahmenbedingungen beachten. Menschen individuell begleiten und zugleich mit begrenzten Ressourcen umgehen.

Das ist nicht einfach.

Und genau deshalb nehme ich aus dem Tag auch viel für meine eigene Arbeit mit. Für Personal- und Organisationsentwicklung geht es aus meiner Sicht nicht nur darum, Fortbildungen anzubieten. Es geht darum, genauer hinzuhören: Was brauchen Mitarbeitende wirklich, um in solchen Situationen sicherer zu werden? Wo brauchen sie Austausch? Wo Entlastung? Wo mehr Orientierung? Und wo müssen wir als Organisation Strukturen schaffen, die diese anspruchsvolle Arbeit besser tragen?

Mich hat dieser Workshop sehr nachdenklich gemacht. Und gleichzeitig auch dankbar.

Dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die ihre eigene Geschichte nutzen, um andere zu begleiten. Und dankbar für die vielen Kolleg*innen, die jeden Tag in sehr herausfordernden Situationen Verantwortung übernehmen.